Ohne festes Bild


Ulrich Schaffer  

Ohne festes Bild

Wie leicht ist es der Wahrheit auszuweichen,
in die kleine unscheinbare Lüge zu fliehen,
indem wir schwarz und weiß sehen.
Immer ist sie bunt, schillernd, verwegen,
und deine und meine Geschichten
sind nie, nie ganz zu verstehen.

Nimm mich mit in dein Eisleben,
dein Innigkeitstrauma, deinen Wagemonat,
in die Verhängnisnacht, für die es keine Worte gibt,
in dein Liebeskentern im Wellenwirbel,
in das Sternstürzen, von dem du dich noch immer erholst.
Lass mich mit dir tauchen,
wo die Welt nur noch schwarz vor Tiefe ist,
lass mich den Raum betreten, der unbetretbar schien,
lass mich allein, deiner Welt überlassen,
in der geteilten Not, dem unerklärlichen Glück,

und offenbare dich mir ohne die Zurückhaltung,
in der wir verhungern und verdursten.
Nie sind wir der Wahrheit näher,
als durch die Berührung der Seelen
ohne Falsch und ohne festes Bild.

25. Juni 2020 19:40

Kategorien Allgemein

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